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Im August und Anfang September geht die Lage am Abend auf Weltreise: SPIEGEL-Korrespondentinnen und -Reporter berichten aus den Metropolen und entlegenen Ecken Asiens, Afrikas, Amerikas und Europas. Und natürlich bekommen Sie hier auch weiterhin Ihr Nachrichten-Briefing: News, Meinung, Storys – alles, was am Tag wirklich wichtig ist.
1. Showdown im Weißen Haus
Am Abend deutscher Zeit will US-Präsident Donald Trump den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Oval Office empfangen – zunächst allein, dann kommt die europäische Führungsriege dazu. Bundeskanzler Friedrich Merz wird dabei sein, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, der britische Premier Keir Starmer, der finnische Präsident Alexander Stubb, Nato-Generalsekretär Mark Rutte und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Für die Ukraine steht ihre Existenz auf dem Spiel.
Sicher erinnern Sie sich noch an Selenskyjs ersten Besuch bei Trump im Weißen Haus, der war im Februar und endete in einem diplomatischen Debakel ; wer die Videos des Treffens im Oval Office damals ansah, dem konnte die Spucke wegbleiben. Trump stempelte Selenskyj »in atemberaubender Verkehrung der Tatsachen« als Kriegstreiber ab, erinnert sich auch mein Kollege Jörg Schindler in Washington. (Lesen Sie hier seinen Text.)
Viel ist seitdem geschehen, unter anderem gab es einen Gipfel in Alaska am vergangenen Wochenende. Dort wurde über die Zukunft der Ukraine gesprochen, allerdings ohne die Ukraine. Nur Donald Trump und Wladimir Putin redeten miteinander.
Die Europäer fahren jetzt nach Washington, um zu hören, was bei dem Treffen in Alaska eigentlich vereinbart wurde. Jörg nennt es in seinem empfehlenswerten Text »den nächsten verzweifelten Anlauf« Europas.
Trump scheint sich in Alaska Putins Forderungen zur Beendigung des Angriffskriegs gegen die Ukraine zu eigen gemacht zu haben, schreibt meine Kollegin Ann-Dorit Boy. Das käme einer Kapitulation der Ukraine gleich.
»Selenskyj und den Europäern geht es um Schadensbegrenzung, wenn sie jetzt mit Trump sprechen«, schreibt mir Ann-Dorit. »Wenn die Gespräche sachlich verlaufen und der amerikanische Präsident die ukrainische Position zur Kenntnis nimmt, ohne gleich wieder Selenskyj die Schuld am Krieg zu geben und ihm die Pistole auf die Brust zu setzen, wäre das kein schlechtes Ergebnis.« Ein Erfolg wäre es, wenn sie Trump dazu bringen könnten, klar zu sagen, welchen Beitrag die USA zu möglichen Sicherheitsgarantien für Kyjiw leisten würden.
Lesen Sie hier den Ausblick: So gehen Selenskyj und die Europäer in das Treffen mit Trump
Und verfolgen Sie alles Aktuelle zum Gipfel im Oval Office am Abend in unserem Liveblog
2. Muss der Green Deal zurückgeschraubt werden?
Gut vier Jahre ist es her, erinnert sich mein Kollege Michael Sauga, da stellte sich Ursula von der Leyen vor ein großes Bild der Erde. Sie erklärte das zentrale Projekt ihrer Amtszeit: Europas Green Deal.
Europa solle der »erste klimaneutrale Kontinent der Welt« werden. Es werde eine »bessere, gesündere und wohlhabendere Zukunft« kommen, versprach sie, die Europa »einigen und stärken« werde.
Was ist aus dem Green Deal geworden? Mein Kollege schreibt in seinem Text, die Reden von der Leyens hätten heute eine andere Tonlage. Den Green Deal habe sie inzwischen zum Clean Industrial Deal herabgestuft. Es gebe keine Morgenröte-Rhetorik mehr wie 2021. »Von der »Einheit«, die ihr Projekt dem Kontinent bringen sollte, ist nichts mehr zu sehen«, so Michael. (Lesen Sie hier seinen Text.)
Überhaupt, wann haben Sie das letzte Mal etwas von Klimapolitik gehört? Scheint altmodisch geworden zu sein. Gibt eh so viele andere Krisen, da ist offenbar die alarmierend voranschreitende Klimakrise hinten runtergepurzelt. Weltweit werden Klimavorhaben zurückgedreht.
Ich empfehle Ihnen den Text meines Kollegen, weil er genau hinsieht: Wie soll es weitergehen beim Klimaschutz in Europa? Was macht die unschlagbare Konkurrenz China? Wie kann Europa noch aufholen?
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Muss der Green Deal zurückgeschraubt werden?
3. Turbulentes Reisen
Vielleicht verreisen Sie im Spätsommer mit dem Flugzeug, vielleicht haben Sie den Rückflug aus dem Urlaub noch vor sich. Dann könnte Sie das Stück meiner Kollegen Claus Hecking und Ferdinand Holsten interessieren. Sie haben sich angesehen, wo Turbulenzen beim Fliegen am häufigsten auftreten – und wie Sie sich davor schützen können. Ich bin ein paar Jahre beruflich oft von München nach Bangkok geflogen. Ich konnte die Schlafmaske auf den Augen lassen und wusste trotzdem immer, wann wir gerade über den Indischen Ozean flogen. Dann ruckelte es verlässlich wie verrückt in der Kabine, und es machte das berühmte »Bing«. Bitte anschnallen. Ansonsten waren die Turbulenzen harmlos.
Doch sie können richtig gefährlich sein, Flugzeuge können auf und ab katapultiert werden, wie von Geisterhand geschüttelt, lese ich bei den Kollegen. Passagiere können sich schwer verletzen. Wie erst kürzlich: beim Horrorflug DL56 am 30. Juli, einem Airbus A330 der Delta-Airlines von Salt Lake City nach Amsterdam.
Der Artikel ist mit einer anschaulichen Weltkarte versehen. Hier können Sie ihn lesen.
Was heute sonst noch wichtig ist
Covid könnte Blutgefäße schneller altern lassen: Eine neue Studie zeigt, dass Blutgefäße nach Covid-Erkrankungen womöglich schneller versteifen. Bemerkenswert: Den Resultaten zufolge betraf das nur Frauen. Mediziner bezeichnen die Ergebnisse als »in gewisser Weise sehr provokativ«.
Das Eigenheim ist als Sparziel immer weniger gefragt: Der Immobilienmarkt sorgt für nachhaltigen Frust bei Häuslebauern. Den Traum vom Eigenheim verfolgt nur noch eine Minderheit. Experten sehen die Entwicklung mit Besorgnis.
Marius Borg Høiby wegen mutmaßlichen Vergewaltigungen angeklagt: Skandale um Marius Borg Høiby erschüttern schon länger das norwegische Königshaus. Nun hat die Staatsanwaltschaft in Oslo den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit angeklagt.
Mein Lieblingsgespräch heute: Nichts fürchtete Xi Jinping mehr als das Badewasser seines Vaters
Donald Trump. Wladimir Putin. Xi Jinping. Extrem mächtige Männer, die die Welt gerade massiv beeinflussen und prägen. Aber wer sind sie? Man kann diesen Männern in Recherchen schwer wirklich nahekommen.
Meinem Kollegen Cornelius Dieckmann ist es im Fall von Chinas Machthaber Xi Jinping dennoch gelungen. Er hat mit dem Biografen Joseph Torigan ein Gespräch über Xis Vater geführt. Xi Zhongxun. Wer das Interview liest, lernt den Vater Xi Jinpings kennen. Und kann dadurch auch den Sohn besser greifen. Xi Zhongxun, geboren 1913, war Vizepremierminister, wurde später von Mao als Verräter gebrandmarkt, der kommunistischen Partei blieb er stets treu. Ein widersprüchlicher Mensch. Sein Sohn Xi Jinping hatte Ehrfurcht vor ihm, mitunter vielleicht sogar Furcht.
Das Gespräch empfehle ich Ihnen: Nichts fürchtete Xi Jinping mehr als das Badewasser seines Vaters
Was heute weniger wichtig ist

Er sagt Ja: Die US-amerikanische Schauspielerin Bella Thorne, 27, hat ihrem Mann einen Heiratsantrag gemacht. Sie kniete nieder, packte eine Schmuckschatulle aus, hielt die Hand ihres Partners, des Unternehmers Mark Emms. Der sagte Ja. Zwei Sachen dazu. Erstens: Die beiden sind schon verheiratet. ER machte bereits vor zwei Jahren IHR einen Antrag. Und zweitens: Dass es diesmal andersrum ist, verwirrt die Fan-Base der Schauspielerin. Was, Frauen können auch einen Antrag machen? Verdrehte Welt!!! Ach mei.
Mini-Hohlspiegel

Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages

Und heute Abend?
Die Lage am Abend geht ab heute wieder auf Weltreise und macht dieses Jahr als Erstes bei mir in China Halt. Die nächsten Tage lesen Sie also die Lage aus Peking. Ich bin als Korrespondentin erst ein paar Wochen hier, und seit dem Wochenende habe ich endlich eine Wohnung.
Dort in der Nachbarschaft wäre ich heute Morgen beinahe über dieses Riesenstück Wintermelone gestolpert. Schauen Sie sich das Bild an!

Der Wintermelonenlieferdienst hat das Gemüse recht brachial vor der Tür abgelegt. Sieht schwer aus. Die Wintermelone, auch Wachskürbis genannt, wird in China zur Abkühlung gegessen. Der (sehr heiße) Pekinger Sommer geht ganz langsam in den Herbst über. Abkühlung kann man immer noch gebrauchen.

Vielleicht finden Sie ein Wintermelonenrezept online. Ich verlinke Ihnen hier so lange ein Gurkensalatrezept meines Kollegen Sebastian Maas. Klingt auch nach Erfrischung.
Ich wünsche Ihnen einen guten Abend, bis morgen!
Herzlich aus Peking
Ihre Maria Stöhr, Korrespondentin
